Positionspapier
21.09.2015

Kulturpolitik als Stadtpolitik

Gesellschaftliche Entwicklungen wie insbesondere Migration, Digitalisierung, Ökonomisierung der Gesellschaft und deren Auswirkungen auf Kunst und Kultur sowie veränderte finanzielle Rahmenbedingungen erfordern eine Neuausrichtung der Kulturpolitik der Städte. Diese sollte als Chance verstanden werden, Kulturpolitik stärker als Stadtpolitik zu begreifen.

Positionspapier des Deutschen Städtetages

Die Weiterentwicklung kommunaler Kulturpolitik setzt eine angemessene kulturelle Infrastruktur in den Städten voraus. Es bedarf einer gesamtstädtischen Strategie zur institutionalisierten, ressortübergreifenden Zusammenarbeit, insbesondere von Bauverwaltung, Stadtentwicklung, Wirtschaftsförderung sowie Bildung und Kultur. Auf dieser Grundlage sollte die Kulturaufgabe von den jeweils betroffenen Ressorts unterstützt werden. Dadurch werden Stadtpolitik und städtische Entwicklung wirksam gefördert und die gesellschaftspolitische Relevanz von Kunst und Kultur gestärkt.

Kultur in der Stadt und die Gestaltung der kulturellen Infrastruktur sind keine ausschließliche Aufgabe des Staates und der Städte und Gemeinden, denn sowohl zivilgesellschaftliche Strukturen als auch die Kulturwirtschaft selber leisten dazu einen wichtigen Beitrag. Kultur in der Stadt ist somit mehr als Kultur von der Stadt.

Die Künstlerinnen und Künstler prägen die Kunst und Kultur in der Stadt entscheidend. Daher gilt es, deren sich verschlechternde wirtschaftliche Situation in den Blick zu nehmen und angemessenere Arbeits- und Lebensmöglichkeiten zu schaffen.

Zudem gilt es, Qualitäten der aktuellen und überlieferten Kunst und Kultur in der Stadt zu erkennen, zu entwickeln und zu nutzen. Eine Politik für Kunst und Kultur in der Stadt darf sich deshalb insgesamt nicht nur auf die Bewahrung und Sicherung bestehender kultureller Infrastruktur beschränken. Notwendig ist vielmehr eine Neupositionierung von Räten und Verwaltungen innerhalb der städtischen Gesamtentwicklung, denn: Kulturpolitik ist Stadtpolitik.

Das Präsidium des Deutschen Städtetages empfiehlt den Mitgliedstädten das gleichnamige Positionspapier.