Städtetag aktuell 2|2026
Editorial
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
das sogenannte Littering, also die Vermüllung des öffentlichen Raums, ist für die Städte inzwischen eine große Herausforderung geworden. Niemand sitzt gern auf einer Parkbank, neben der sich die Pizzakartons stapeln, läuft gern an überquellenden Altkleider-Containern vorbei oder spaziert gern durch eine Innenstadt, in der alle paar Meter To-go-Becher auf dem Boden liegen.
Die Städte sind bereits mit vielen Maßnahmen aktiv für Sauberkeit und gegen Müll im öffentlichen Raum.
Zur Wahrheit gehört aber auch: Städte lebenswert und sauber zu halten ist etwas, das nicht allein die Politik vor Ort regeln kann. Jede und jeder einzelne ist gleichermaßen in der Verantwortung, die eigene Nachbarschaft nicht als großen Abfalleiner zu verstehen nach dem Motto: "Irgendwer macht es schon weg."
Denn inzwischen ist Müll im öffentlichen Raum auch ein echter Kostenfaktor für die Städte geworden. Nur ein Beispiel: In Deutschland werden rund 320.000 Einweg-Becher für Heißgetränke verbraucht – nicht pro Monat, auch nicht pro Tag, sondern pro Stunde. Die Stadtreinigungen leisten mit viel Engagement ein enormes Pensum. Aber diese Mengen an zusätzlichem Abfall kosten Zeit – und vor allem Geld. Deshalb haben einige Städte inzwischen eine Verpackungssteuer auf Einwegverpackungen eingeführt – das Bundesverfassungsgericht hatte das Anfang 2025 grundsätzlich erlaubt. Der Ansatz: Wer auf Mehrweg- statt Einwegverpackungen setzt, hilft der Umwelt und dem Stadtbild und muss die Steuer nicht zahlen.
Auch in anderen Bereichen stehen Städte beim Thema Entsorgung vor neuen Herausforderungen. Das zeigt sich besonders deutlich beim Thema Alttextilien. Der Markt ist durch “Fast Fashion” unter Druck geraten. Die Folge: sinkende Erlöse, steigende Kosten – und zunehmend vermüllte Containerstandorte im öffentlichen Raum. Auch hier sind die Kommunen gefordert, funktionierende Sammelsysteme sicherzustellen und gleichzeitig auf klare Regeln zu drängen, etwa durch eine stärkere Herstellerverantwortung.
Die Aktivitäten der Städte sind aber noch weit vielfältiger. Der Umgang mit Abfall ist mehr als nur eine Entsorgungsaufgabe, er kann ein strategisches Zukunftsthema sein.
Kreislaufwirtschaft wird zum Leitprinzip moderner Stadtentwicklung: Ressourcen sollen geschont, Produkte länger genutzt und Materialien wiederverwertet werden – von der Beschaffung über die Bauplanung bis hin zur lokalen Wirtschaftsförderung.
Wie das konkret aussehen kann, zeigen zahlreiche Beispiele: Städte entwickeln eigene Kreislaufstrategien, bündeln Zuständigkeiten und bringen Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen.
Auch im Bauwesen entstehen neue Ansätze. In München wird mit einer Bauteilbörse daran gearbeitet, wiederverwendbare Materialien aus Rückbauprojekten systematisch zu erfassen und erneut in Bauprozesse einzubringen. Ziel ist es, Wiederverwendung nicht als Einzelfall, sondern als verlässliche Infrastruktur zu etablieren – und damit Ressourcen zu sparen, Emissionen zu reduzieren und lokale Wertschöpfung zu stärken.
All diese Beispiele machen deutlich: Städte handeln – mit konkreten Projekten, mit strategischen Ansätzen und mit großem Engagement vor Ort. Saubere Städte und ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen sind keine Selbstverständlichkeit. Sie sind das Ergebnis gemeinsamer Anstrengungen – von Politik, Verwaltung, Wirtschaft und jeder und jedem Einzelnen. Nur wenn wir diese Verantwortung gemeinsam tragen, bleiben unsere Städte auch in Zukunft lebenswert. Wie das gelingen kann, lesen Sie in dieser Ausgabe von Städtetag aktuell.
Christian Schuchardt
Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages
Mehr Informationen rund um den Schwerpunkt
www.staedtetag.de/kreislaufwirtschaft
Schwerpunkt Kreislaufwirtschaft
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