Maßnahmen der Städte in der Gaskrise
29.07.2022

"Große Kreativität, gute Lösungen zu finden"

Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, gegenüber stern.de
  • Porträt von Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages

Angesichts des drohenden Energiemangels im kommenden Winter hat der Deutsche Städtetag eine Reihe von Sparempfehlungen an die Kommunen verschickt.

"Wir alle sind gefordert, jetzt mehr Energie zu sparen. Die Städte wollen Vorbild und Vorreiter sein",

sagt Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages. Jede jetzt eingesparte Kilowattstunde sei eine Vorsorge für die kalten Monate.

Der deutsche Städtetag hat dem stern die Liste mit Beispielen zur Verfügung gestellt, die nach Ansicht der Vereinigung deutsche Städte im Vorfeld vor einer Energieknappheit bewahren sollen. "Was davon für die Städte passt, wird aber natürlich vor Ort diskutiert und entschieden", sagt Dedy weiter.

Im Rahmen dieses Katalogs verweist der Städtetag auf zwölf konkrete Maßnahmen. Der Großteil davon sei "unmittelbar" umsetzbar. So könnte die Wassertemperatur in Schwimmhallen reduziert oder die Temperierung in Freibädern unterbrochen werden. In "ausgewählten öffentlichen Gebäuden" könne Warmwasser gar komplett abgestellt werden, um bis zu zehn Prozent Energie zu sparen.

Desweiteren schlägt der Städtetag vor, Lüftungsanlagen "in den Normalzustand vor der Pandemie" zurückzuversetzen. Dies beträfe auch mobile Anlagen in Schulen. Allein dadurch ließe sich der Energiebedarf um ein Viertel reduzieren. Zum Beginn der Heizperiode (üblicherweise ab Oktober) könnten Lüftungsanlagen überall dort gänzlich abgeschaltet werden, "wo Fensterlüften möglich" sei.

Buchstäblich sichtbare Auswirkungen dürften jedoch andere Vorschläge haben. So könnte nach Ansicht der Vereinigung jederzeit die Außenbeleuchtung "repräsentativer öffentlicher Gebäude" abgeschaltet werden – sprich: Wahrzeichen wie der Kölner Dom, die Hamburger Elbphilharmonie oder der Berliner Fernsehturm würden nicht mehr im Dunkeln erstrahlen. Zudem empfiehlt der Städtetag die weitreichende Umrüstung auf LED-Beleuchtung.

Sobald in deutschen Städten geheizt würde, ließen sich weitere Maßnahmen umsetzen. Turnhallen könnten dann nur noch auf 15 Grad Celsius beheizt, die Temperatur in Schulen und öffentlichen Einrichtungen auf den zulässigen Tiefstwert von 20 Grad heruntergefahren werden. Auch in Treppenhäusern und Fluren soll es kühler werden.

Zusätzlich zu diesen Handlungsempfehlungen, hat der Städtetag sieben Begleitvorschläge, vorgestellt, die aus Aufklärungskampagnen und Sensibilisierungsprogrammen bestehen. So soll unter anderem der Verbrauch von Strom und Gas genauer überwacht werden.

Außerdem empfiehlt der Zusammenschluss eine "Kampagne zur Sensibilisierung der Nutzerinnen und Nutzer zur Energieeinsparung", sowie Schulungen von Hausmeistern. Laufende Baumaßnahmen müssten überprüft und "konsequent ambitionierte Energiestandards" eingehalten werden. Das sei zwar "kurzfristig umsetzbar", aber eben nicht "kurzfristig wirksam". Mobile Heizungsgeräte könnten komplett verboten werden.

Auch die 53 Millionen Bürgerinnen und Bürger, die der Spitzenverband einschließt, sollen offenbar beim Sparen helfen. Der Städtetag schlägt die "Ausgabe von einfachen Thermometern zur individuellen Selbstkontrolle der Temperatur in öffentlichen Gebäuden" vor.

"In unseren Städten gibt es eine große Kreativität, gute Lösungen zu finden",

sagt Hauptgeschäftsführer Dedy.