Skip to main navigation Skip to main content Skip to page footer
Städtetag aktuell 4|2026 15.10.2026

Städtisches Klinikum Karlsruhe – Hitzeschutz für Patienten und Personal

Von Bengt Elling vom Klinikum Karlsruhe

Städtisches Klinikum Karlsruhe, Markus Kümmerle
Das 2021 eröffnete Betten- und Funktionshaus Haus M.

Karlsruhe ist durch die Lage am Oberrheingraben eine Großstadt mit hoher Wärmebelastung. Die mit dem Klimawandel einhergehende Zunahme von heißen Tagen, Tropennächten und Hitzeperioden ist ein Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung, weshalb die Stadt Karlsruhe einen Hitzeaktionsplan mit gut 60 Maßnahmen erstellt hat. Diese schließen auch das Städtische Klinikum Karlsruhe mit ein.

Die Stadtverwaltung verfolgt bei der Modernisierung städtischer Gebäude einen ganzheitlichen Ansatz zur Verringerung der Hitzebelastung. Ziel ist ein Maßnahmenmix aus baulichen, technischen und organisatorischen Maßnahmen. Hierzu zählen insbesondere eine maßvolle Verglasung der Fassaden, außenliegender und steuerbarer Sonnenschutz, eine gute Dämmung von Dächern, Fassaden und Fenstern, wirksame Lüftungsmöglichkeiten einschließlich der Nachtauskühlung sowie Dach- und Fassadenbegrünungen. Diese Maßnahmen reduzieren den Kühlbedarf nachhaltig und verbessern den sommerlichen Wärmeschutz.

Gleichzeitig gibt es Gebäude, in denen passive Maßnahmen allein nicht ausreichen, um eine ausreichende thermische Behaglichkeit sicherzustellen. Insbesondere in Gebäuden mit besonders schutzbedürftigen Nutzergruppen können technische Kühllösungen – wie beispielsweise Betonkernaktivierung oder Heiz-Kühldecken – im Einzelfall erforderlich sein.

Die Stadt Karlsruhe sowie das Gesundheitsamt des Stadt- und Landkreises Karlsruhe unterstützen Pflege- und Krankeneinrichtungen durch Information und Beratung. Seit der Hitzewelle des Jahres 2003 stehen hitzebedingte Gesundheitsrisiken in Pflegeeinrichtungen besonders im Fokus des Gesundheitsamtes und der Heimaufsicht. Das Gesundheitsamt und die Heimaufsicht informieren die Einrichtungen regelmäßig über Hitzeschutzmaßnahmen. Darüber hinaus wird derzeit eine Abfrage bei den Pflegeeinrichtungen durchgeführt. Erfasst werden unter anderem der Stand der Klimatisierung, bereits umgesetzte Hitzeschutzmaßnahmen sowie etwaige hitzebedingte gesundheitliche Notfälle.

Um sich auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten, erarbeitet das Städtische Klinikum Karlsruhe derzeit ein campusweites Klimaanpassungskonzept. Neben Themen wie dem Schutz vor Starkregenereignissen liegt der Schwerpunkt insbesondere im Bereich Hitzeschutz.

Bei aktuellen Neubauten und Sanierungen ergreift das Städtische Klinikum Karlsruhe bereits Maßnahmen zur Kühlung von Patientenzimmern, so kommt im 2021 eröffneten Betten- und Funktionshaus Haus M die sogenannte Betonkernaktivierung zum Einsatz: Über Schläuche in den Betondecken, in denen 18 Grad kaltes Wasser fließt, werden die Patientenzimmer umweltfreundlich heruntergekühlt.

Das gekühlte Wasser ist ein Nebenprodukt der großen Kälteanlagen, die in Haus M beispielsweise die raumlufttechnischen Anlagen für den Operationsbereich, die Intensivstationen oder auch technische Bereiche versorgen. Auf diese Weise werden mit freien Kapazitäten der Kälteanlagen, die sonst ungenutzt bleiben würden, angenehme Temperaturen in den Patientenzimmern geschaffen. Die spürbare Absenkung der Raumtemperatur wird zusätzlich von einem Lüftungssystem getragen, aus dem ein leichter auf 21 Grad gekühlter Luftstrom zugeführt wird.

Im Rahmen der Generalsanierung eines Bestandsgebäudes, in das künftig die Hals-Nasen-Ohrenklinik ziehen wird, wurden als Pilotversuch gegenwärtig zum ersten Mal Heiz-Kühldecken in den Patientenzimmern installiert. Die Betriebsaufnahme des Gebäudes ist für den Herbst 2026 avisiert. Die Erkenntnisse aus dem Betrieb werden dann auch in künftigen Sanierungsplänen des Bestandes berücksichtigt.

Unter bestimmten Voraussetzungen, die streng eingehalten werden müssen, ist ein Einsatz von mobilen Klimageräten wie beispielsweise Ventilatoren im Städtischen Klinikum Karlsruhe aus krankenhaus-hygienischer Sicht vertretbar. Der Einsatz ist jedoch in den jeweiligen Einzelfällen und medizinischen Bereichen zu prüfen und abzustimmen.

Da das Städtische Klinikum Karlsruhe als kommunales Haus der Maximalversorgung – wie bundesweit eine Vielzahl von Krankenhäusern – von struktureller Unterfinanzierung betroffen ist, sind zur Umsetzung baulicher Maßnahmen entsprechende Fördermittel bzw. Förderprogramme von Bund oder Land elementar.

Bengt Elling 
Stellvertretender Geschäftsbereichsleiter Infrastruktur Klinikum Karlsruhe

Mehr lesen?

Dieser Text ist erschienen in Städtetag aktuell 4|2026, Schwerpunkt Gesundheit

zum Heft