Öffentliche Gesundheit gemeinsam stärken: Die Bedeutung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes
Der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) ist ein zentraler Bestandteil der gesundheitlichen Daseinsvorsorge in Deutschland. Die COVID19-Pandemie hat diese "dritte Säule" unseres Gesundheitswesens – neben der ambulanten und stationären Versorgung – schlagartig in das Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit gerückt.
Der ÖGD ist föderal organisiert und umfasst Einrichtungen auf kommunaler, Landes- und Bundesebene. Vor Ort bilden die Gesundheitsämter sein Rückgrat. Ihre vielfältigen Aufgaben reichen vom Infektions- und Gesundheitsschutz über Schuleingangsuntersuchungen, Beratung und Gesundheitsberichterstattung bis zu Gesundheitsförderung und Prävention. Auf Landesebene wird der ÖGD durch die obersten Landesgesundheitsbehörden und weitere Landesstellen gestaltet. Auf Bundesebene arbeiten das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und Fachbehörden wie das Robert Koch-Institut, das Paul-Ehrlich-Institut und das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) zusammen.
Trotz unterschiedlicher Zuständigkeiten und Strukturen verbindet alle Ebenen ein gemeinsames Ziel: die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen, zu erhalten und zu fördern.
Dr. Johannes Nießen, Mediziner und Kommissarischer Leiter, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit
Dabei vollzieht insbesondere der kommunale ÖGD derzeit einen Wandel zu einer bürgerorientierten "Public-Health-Agentur" vor Ort. Dieser Paradigmenwechsel macht ihn zu einem unverzichtbaren Partner für die Zukunftsfähigkeit unserer Städte.
Gesundheit als Querschnittsaufgabe
Gesundheit entsteht dort, wo Menschen leben, lernen und arbeiten. Sie wird maßgeblich durch Faktoren wie Stadtplanung, Verkehrsführung, Umweltbedingungen und Bildungsangebote beeinflusst. Hier kann der ÖGD als zentraler "Motor" des Health in All Policies-Ansatzes wirken. In der kommunalen Verwaltung berät er andere Ressorts, um gesundheitsförderliche Lebensbedingungen zu verankern.
Dafür stimmt er sich mit Akteuren aus Wissenschaft, Versorgung, Sozialversicherung und Zivilgesellschaft ab. Denn moderne kommunale Gesundheitspolitik kann nicht im Alleingang gelingen. Über kommunale Gesundheitskonferenzen übernimmt der ÖGD eine moderierende Rolle. Ziel ist eine integrierte Gesundheitsplanung auf Basis belastbarer Daten der Gesundheitsberichterstattung.
Pakt und Konsolidierung
Um diese Transformation und neue Herausforderungen zu bewältigen, haben Bund und Länder 2020 den Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (Pakt ÖGD) geschlossen. Mit vier Milliarden Euro wurden bis 2026 Stellen aufgebaut und die Digitalisierung vorangetrieben. Mit Blick auf das Ende der Laufzeit zeigt die Analyse: Die erreichte Stärkung muss nachhaltig verstetigt werden.
Im Transformations- und Konsolidierungsprozess steht der kommunale ÖGD nicht allein. Als Fachbehörde für Prävention und Gesundheitsförderung unterstützt das BIÖG den Wissenstransfer, vernetzt Partner und entwickelt praxisnahe Informations- und Kommunikationsangebote.
Im Rahmen des Paktes hat das BIÖG gemeinsam mit den 16 Ländern zudem die länderübergreifende Kommunikationsinitiative "Der ÖGD – Schützt. Hilft. Klärt auf." umgesetzt. Erstmals wurde damit ein gemeinsamer kommunikativer Rahmen geschaffen, der die vielfältigen Leistungen des ÖGD sichtbar macht. Die gemeinsame Dachmarke sorgt für Wiedererkennung, ohne die unterschiedlichen Strukturen und Schwerpunkte von Ländern und Kommunen aufzuheben. Der gemeinsame Internetauftritt oeffentlichergesundheitsdienst.de informiert über Aufgaben und Berufsbilder des ÖGD und führt Bürgerinnen und Bürger über eine Postleitzahlensuche zum zuständigen Gesundheitsamt.
Ergänzend bietet das BIÖG mit den Town Halls ein regelmäßiges digitales Informations- und Austauschformat für Mitarbeitende der Gesundheitsämter sowie der Landes- und Bundesinstitutionen des ÖGD an. Wissenschaftliche Erkenntnisse, Beispiele aus der kommunalen Praxis und konkrete Unterstützungsangebote können so schnell und unmittelbar geteilt werden.
Den ÖGD zu fördern bedeutet zugleich, Prävention und Gesundheitsförderung zu stärken. Dazu hat das BMG im Juli 2026 eine Präventionsoffensive gestartet, die Prävention zu einer tragenden Säule des Gesundheitssystems weiterentwickeln soll. Das BIÖG unterstützt dies mit wissenschaftsbasierter Gesundheitskommunikation, bundesweiten Kampagnen und Programmen sowie Vernetzung, Qualitätssicherung und dem Transfer in die kommunale Praxis. Nachhaltige Prävention gelingt nur im Zusammenspiel von Bund, Ländern und Kommunen.
Dr. Johannes Nießen
Mediziner und Kom. Leiter Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit