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Städtetag aktuell 3|2026 16.07.2026

Kita und Musikschule: Chancen für frühe Bildung

Von Lotta Donner, Landesverband der Musikschulen in NRW e. V.

Öffentliche Musikschulen kooperieren seit über 40 Jahren mit Kindergärten und Kitas. Was mit musikalischen Angeboten gebührenpflichtig für wenige Kinder im Vorschulalter begann, hat sich mittlerweile zu verlässlichen, nachhaltigen und möglichst gebührenfreien Formaten für Kinder in Kitas und Kindergärten ausgeweitet. An einer Musikhochschule ausgebildete Elementare Musikpädagoginnen und -pädagogen sorgen für die Qualität der musikalischen Angebote. 

Neben den Programmen anderer Bundesländer wie z. B. Wir machen die Musik in Niedersachsen (www.wimadimu.de) oder Singen, Bewegen Sprechen (www.arge-sbs.de) in Baden-Württemberg ist Kita und Musikschule (www.kita-und-musikschule.de) eines der vielen Kooperationsprogramme der öffentlichen Musikschulen in Nordrhein-Westfalen. Es wird seit 2012 erprobt und ständig weiterentwickelt. In 44 Kommunen mit knapp 160 Kitas und Familienzentren garantiert Kita und Musikschule im Kita-Alltag Teilhabe und Chancengleichheit. Das Programm wirkt mit erweiterten Angeboten für Familien in den Sozialraum hinein und steht für fachliche Qualität sowie die gegenseitige Qualifizierung der Fachkräfte. Zusätzlich legt Kita und Musikschule den Grundstein für einen kontinuierlichen musikalischen Bildungsweg.

Das Programm orientiert sich an fünf Modulen: 

Für alle: Gemeinsames Singen, Musizieren, Bewegung und Tanz ermöglichen allen Kindern musikalische Erfahrungen im Alltag. 

Für mehr: Kinder mit besonderem Interesse erhalten zusätzliche Förderung und finden häufig den Weg in Musikschule oder weiterführende Schulangebote. 

Für Fachkräfte: Die Musik- und Elementarpädagoginnen und -pädagogen lernen voneinander und erweitern gemeinsam ihre Kompetenzen. 

Für Familien: Eltern werden mit ihren musikalischen Erfahrungen einbezogen, Begegnung und Teilhabe im Quartier werden gestärkt. 

Für Teams: Gute Kooperation entsteht durch gemeinsame Verantwortung und gegenseitige Wertschätzung. 

Kita und Musikschule unterstützt die allgemeinen Bildungsaufgaben in der Kita

Der Bildungs- und Erziehungsauftrag der Kita ist vielfältig und anspruchsvoll. Die musikalischen Angebote in Kita und Musikschule unterstützen das ganzheitliche Lernen und knüpfen unmittelbar an die allgemeinen Bildungsaufgaben an: Gemeinsames Musizieren vermittelt Grundregeln des demokratischen Miteinanders, Singen und Rhythmus fördern die Sprachfähigkeit, Tanzen unterstützt die körperliche Entwicklung, musikalisches Forschen und Experimentieren stärkt Kreativität, Konzentration und naturwissenschaftliches Denken. Erzieherinnen und Erzieher empfinden die musikalischen Angebote als entlastend und entdecken Musik zunehmend als Ressource für ihren Alltag.

Kita und Musikschule baut musikalische Brücken in die Grundschule

Die langjährige Erfahrung zeigt, dass Kinder, die regelmäßig musikalische Angebote in der Kita erhalten, bessere Voraussetzungen für die Grundschulzeit mitbringen: Sie sind neugieriger, lernbereiter, selbstbewusster, gehen kreativer mit Herausforderungen um und bringen eine hohe soziale Kompetenz mit. Gemeinsame Musikveranstaltungen oder ein gemeinsames Liedrepertoire von Kita und Grundschule erleichtern den Weg in die Schule. Vertraute musikalische Abläufe und Inhalte unterstützen das Ankommen der Kinder und helfen den Familien, weiterführende Angebote wahrzunehmen.

Kita und Musikschule klingt bis ins Quartier

Angebote für Familien innerhalb des Programms Kita und Musikschule sind auch für das soziale Umfeld einer Kita offen. So können Familien mit wenig Kontakt z. B. über das gemeinsame Bauen von Instrumenten niederschwellig Kultur erfahren und dabei neue Kontakte knüpfen. Auch musikalische Aktionen der Kita-Kinder auf einem öffentlichen Spielplatz oder gemeinsames Tanzen und Singen mit Bewohnerinnen und Bewohnern aus dem nahen Seniorenheim aktivieren Menschen weit über die Kita hinaus.

Kita und Musikschule gibt nicht auf 

Kita und Musikschule erhält keine Landeszuschüsse wie die oben genannten Programme in Niedersachsen oder Baden-Württemberg. So müssen sich die Kommunen in Nordrhein-Westfalen bewusst für die Finanzierung des Programms Kita und Musikschule in ihren städtischen Kitas und Familienzentren entscheiden. Die Kitas werden damit Bestandteil eines kulturellen Gesamtkonzeptes, in dem kulturelle Teilhabe schon früh gelebt wird.

Trotz des Engagements vieler Kommunen erschweren angespannte Haushalte und der Fachkräftemangel in der Musikpädagogik den Ausbau neuer Kooperationen. Mit dem Bekenntnis zu Kita und Musikschule setzen sich Kommunen, freie Kitaträger und Musikschulen mit Unterstützung des Landesverbandes der Musikschulen NRW engagiert dafür ein, Musik nachhaltig im Kita-Alltag zu verankern. Für die Zukunft von Musik in der Kita braucht es jetzt ein klares politisches Bekenntnis und finanzielle Absicherung. Kulturelle Teilhabe darf nicht vom Wohnort oder von der Haushaltslage einer Kommune abhängen.

Lotta Donner 
Referentin für Elementare Musikpädagogik / Kita-Kooperationen
Landesverband der Musikschulen in NRW e. V.

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Dieser Text ist erschienen in Städtetag aktuell 3|2026, Schwerpunkt Bildung

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