Städtetag fordert Entscheidung
12.06.2021

"Impfzentren nicht einfach abwickeln"

Städtetag-Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy appelliert im Gespräch mit der Passauer Neuen Presse (PNP) an Bund und Länder, über die Zukunft der kommunalen Impzentren schnell zu entscheiden

PNP: Herr Dedy, einzelne Bundesländer denken daran, Impfzentren zu schließen. Bedarf es noch solcher Großeinrichtungen, nachdem überall Haus- und Betriebsärzte mitimpfen?

Helmut Dedy: Die Impfzentren machen einen guten Job. Die Teams sind eingespielt. Viele besonders gefährdete Menschen haben wir so vor einem schweren Krankheitsverlauf schützen können. Derzeit gibt es aber immer noch zu wenig Impfstoff. Das soll sich bald ändern. Bei dem zu erwartenden Andrang sind die Impfzentren mit ihren großen Kapazitäten, etwa in Messehallen, zu wichtig, um sie einfach abzuwickeln. Außerdem starten aus den Impfzentren die mobilen Impfteams in Pflegeeinrichtungen und soziale Brennpunkte. Wir brauchen leistungsstarke Strukturen. Die Pandemie ist noch nicht vorbei. Finanzieren können die Städte die Impfzentren aber nicht. Deswegen geht es jetzt darum, dass Bund und Länder ihre Finanzierungszusagen verlängern. Sonst müssen die Städte sämtliche Impfaktivitäten zum 1. Oktober 2021 beenden.

PNP: Niedergelassene Ärzte haben kritisiert, dass Impfzentren vorrangig mehr Impfstoff erhielten und sie damit zu kurz kämen. Macht der Vorrang noch Sinn?

Dedy: Noch ist die Anzahl der Impfdosen insgesamt niedrig. Wenn die Versprechungen diesmal eingehalten werden, dann steht in den nächsten Wochen Impfstoff in Hülle und Fülle zur Verfügung. Sind die niedergelassenen Ärzte dann tatsächlich in der Lage, allen Impfwilligen ein Impfangebot zu machen? Im Gegensatz zur "normalen" Grippeschutzimpfung wird die Nachfrage deutlich höher sein. Und immer mehr jüngere Menschen wollen geimpft werden. Sind wir sicher, dass wir die Impfzentren nicht mehr brauchen?

PNP: Was ist ihre Forderung an die Politik, die Bundesregierung, in dieser Situation?

Dedy: Uns brennt die Frage unter den Nägeln, wie es mit den Impfzentren weitergehen soll. Die Städte haben Messegelände, Kongresszentren angemietet, große Container und Zeltanlagen aufgestellt, Dienstleister beauftragt und zusätzliches Personal eingestellt. Bund und Länder dürfen sich nicht länger vor der Entscheidung drücken, ob die Impfzentren auch über den 30. September hinaus arbeiten sollen. Wir haben Verträge geschlossen, die müssen bis Ende Juni gekündigt oder verlängert werden. Wenn hier der Schalter umgelegt ist, sind die Impfzentren bald zu – dann wohl endgültig.

Mit freundlicher Genehmigung der Passauer Neuen Presse, www.pnp.de