"Wir brauchen zusätzliche Weichenstellungen von Bund und Ländern"
"Früher galt Wasser in Deutschland vielen als unbegrenzte Ressource. Dem ist nicht mehr so. Die Hitzesommer der vergangenen Jahre haben uns gezeigt, dass es auch hierzulande saisonal und regional zu Wasserknappheit kommen kann. Auch in diesem Jahr ist die Situation wieder besonders drastisch, die Temperaturen im Juni haben Rekordwerte erreicht.
Die Wasserversorgung in Deutschland ist immer noch sicher. Aber wir müssen deutlich bewusster mit unserem Grundwasser sowie mit Wasser aus Flüssen, Bächen und Seen umgehen als früher. Wir müssen jetzt aktiv werden, damit das auch in Zukunft so bleibt. Rund 80 Kommunen in Deutschland müssen inzwischen in jedem Hitzesommer so genannte Allgemeinverfügungen erlassen, die die Nutzung von Trink- oder Grundwasser für bestimmte Zwecke beschränken oder die Entnahme von Wasser aus Oberflächengewässern wie Flüssen oder Seen zeitweise untersagen.
Die Städte und ihre Versorger tun bereits viel und sensibilisieren die Bevölkerung, gerade im Sommer sparsam mit Wasser umzugehen. Wir brauchen jetzt aber zusätzliche Weichenstellungen von Bund und Ländern.
Bund und Länder sollten gemeinsam für bundesweit möglichst einheitliche Entnahmeentgelte aus Grundwasser und Oberflächengewässern wie Flüssen und Seen sorgen. Dabei geht es ausdrücklich nicht um Gebühren für Privathaushalte, sondern vor allem um die kommerzielle Wasserentnahme.
Die Entnahmeentgelte für Gewerbe, Industrie und landwirtschaftliche Betriebe müssen so gestaltet sein, dass sie auch einen Anreiz zum Wassersparen setzen. Die Mittel aus den Entgelten könnten außerdem vermehrt für Maßnahmen zum Gewässerschutz und zur Klimaanpassung eingesetzt werden. Das wäre eine echte Win-win-Situation.
Derzeit gibt es in 13 von 16 Bundesländern entsprechende Entnahmeentgelte – Höhe und Ausnahmeregelungen unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland teilweise deutlich. Da brauchen wir bundeseinheitliche Regelungen.
Bund und Länder haben kürzlich erste Leitlinien für den Umgang mit Wasserknappheit und daraus entstehenden Konflikten etwa zwischen Industrie und Landwirtschaft bei der Wassernutzung erarbeitet. Das ist ein wichtiger Schritt und hilft den Kommunen bei den Entscheidungen vor Ort.
Gleichzeitig brauchen die Städte dringend bessere Daten, um vor allem das Grundwasser besser zu überwachen und daraus Entscheidungen abzuleiten."
Schuchardt forderte:
"Bund und Länder sollten gemeinsam ein einheitliches Ampelsystem für Niedrigwasser aufstellen – bei gelber oder roter Ampel für Grundwasser, Flüsse oder Seen wäre dann klar, dass vor Ort Maßnahmen ergriffen werden müssen."