Nicht nur Poller und Sperren: Städte setzen auf multifunktionale Ansätze
"Nach der Tat in Leipzig ist das Sicherheitsbedürfnis vieler Menschen nachvollziehbarerweise besonders hoch. Städte stehen in solchen Situationen vor der schwierigen Aufgabe, schnell auf konkrete Gefährdungen zu reagieren und gleichzeitig öffentliche Räume offen, lebendig und erreichbar zu halten. Genau diese Balance zwischen Sicherheit, Aufenthaltsqualität und Funktionalität gehört inzwischen zum kommunalen Alltag."
Schuchardt sagte weiter:
"Dabei greift eine Debatte zu kurz, die sich allein auf sichtbare Poller oder Sperren konzentriert. Sicherheit im öffentlichen Raum ist eine deutlich komplexere Aufgabe, die gemeinsam mit Fragen der Stadtgestaltung, Mobilität, Klimaanpassung und Nutzbarkeit gedacht werden muss.
Viele Städte setzen deshalb bereits heute auf multifunktionale Ansätze – etwa durch Begrünung, Stadtmöbel, Wasserflächen oder andere gestalterische Elemente, die Aufenthaltsqualität und Sicherheitsaspekte miteinander verbinden können.
Solche Lösungen gewinnen in der Stadtentwicklung zunehmend an Bedeutung, weil sie helfen können, öffentliche Räume attraktiver, lebenswerter und zugleich resilienter zu machen.
Gleichzeitig zeigt die kommunale Praxis, dass es keine einfache Lösung für alle öffentlichen Räume geben kann. Städte können nicht jeden Ort vollständig absichern. Die Verhinderung von Straftaten bleibt in erster Linie Aufgabe der Sicherheitsbehörden. Zudem müssen Innenstädte weiterhin für Anwohnerinnen und Anwohner, Lieferverkehr, Feuerwehr und Rettungsdienste erreichbar bleiben. Städte können jedoch im Rahmen ihrer Möglichkeiten dazu beitragen, öffentliche Räume sicher und zugleich funktional zu gestalten, etwa durch städtebaulich integrierte Lösungen.
Entscheidend ist ein verhältnismäßiger Ansatz, der Sicherheit, Nutzbarkeit, Offenheit und Sauberkeit des öffentlichen Raums gemeinsam im Blick behält.
Für die Städte ist diese Abwägung anspruchsvoll, auch weil der öffentliche Raum heute immer mehr Anforderungen gleichzeitig erfüllen muss: Sicherheit, Verkehr, Klimaschutz, Klimaanpassung, Wohnen, wirtschaftliche Nutzung und Aufenthaltsqualität müssen zusammengebracht werden. Deshalb brauchen Städte integrierte und verhältnismäßige Lösungen statt isolierter Einzelmaßnahmen. Ziel bleibt, Innenstädte sicher zu gestalten, ohne ihren offenen und lebendigen Charakter zu verlieren."