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Diskussion um Döner- und Barbershops 01.03.2026

"Veränderung im Handel ist normal"

Christian Schuchardt, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung

"Zunächst einmal sind neue Geschäfte grundsätzlich etwas Erfreuliches. Sie sind besser als Leerstand. Viele Kunden empfinden bestimmte neue Geschäftstypen jedoch als Downgrading, als ein Absinken des Qualitätsniveaus. Dies läuft dann unter den Schlagworten 'Barberisierung' und 'Dönerisierung'.

Gleichwohl ist Veränderung im Handel normal. Auch die Anzahl von Pelzgeschäften, Modellbauläden, Tabakerien oder Videotheken ist stark rückläufig. Die Nachfrage hat sich einfach reduziert oder ist komplett weggefallen. Nachgefragt sind dagegen heute auch Handy-Reparaturshops, Yoga-Studios oder Bubble-Tea-Läden.

Insgesamt haben sich die Verkaufsflächen in deutschen Innenstädten gegenüber 1980 mehr als verdoppelt. Ein Rückgang von diesem hohen Niveau ist nicht überraschend. 

Problematisch werden langandauernde Leerstände in Ladenpassagen oder an zentralen Orten mit besonderer Bedeutung wie Kaufhäuser. Dies liegt auch an teilweise noch sehr hohen oder sogar überzogenen Mieterwartungen, die sich bei verändertem Konsumentenverhalten vielfach nicht rechnen. Leerstände, Umnutzungen oder das empfundene Downgrading sind die Folge. 

Die Städte sind gefordert, diesen Wandel zu begleiten – aber allein durch Verwaltungshandeln ist das nicht beherrschbar. Die Städte arbeiten gemeinsam mit den Akteuren vor Ort vielfach daran, ein Zielbild zu entwickeln. Mögliche Instrumente dafür sind Einzelhandelskonzepte sowie Innenstadtkonzepte. Deren Durchsetzung können sie im Bestand wiederum nicht erzwingen. Es braucht die Kooperation mit den Eigentümern und Geschäftstreibenden. 

Nur dem Alten nachzutrauern, bringt nichts. Es gilt, Trends frühzeitig zu erkennen und positiven Entwicklungen den Weg zu ebnen. 

Dazu gehören neben den üblichen Ladengeschäften auch immer mehr Kultur- oder Bildungsangebote sowie Umnutzungen in Wohnraum oder für Hotels und auch mehr Grün in der Stadt. Denn Einkaufen allein reicht oft nicht mehr, um alle Geschäftshäuser mit Leben zu erfüllen und Leerstand zu verhindern und so eine lebendige und attraktive Innenstadt für Ortsansässige und Besucherinnen und Besuchern zu erhalten."