"Weniger Straßen und Parkplätze werden in Zukunft unvermeidbar sein"
Im Sommerinterview der NOZ mit Burkhard Jung ging es unter anderem um die Themen Klimaanpassung und Hitzeschutz:
NOZ: Der Städtetag fordert mehr Geld für Entsiegelung und Begrünung. Müssen Straßen und Parkplätze weichen, damit Städte besser mit Hitze und Starkregen klarkommen?
Burkhard Jung: Weniger Parkplätze und Straßen werden in der Zukunft unvermeidbar sein, wenn wir mit den Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels klarkommen wollen. Jeder Baum ist ein Segen für eine Stadt. Und in dem Moment, wo ich Bäume pflanze oder Regenspeicher anlege, muss etwas anderes weichen. Sechsspurige Straßen in Städten können nicht mehr länger die Lösung sein.
NOZ: Was dann?
Burkhard Jung: Wir müssen Verkehrsströme in Städten grundsätzlich neu denken. Dazu gehört, vermehrt auf Anwohnerparken, Anreize für Carsharing oder Jobräder zu setzen und den öffentlichen Nahverkehr massiv zu stärken. Hier hilft der Blick auf Städte wie Kopenhagen, Amsterdam oder Oslo, in denen solche Konzepte bereits gut funktionieren.
NOZ: Wasser wird im Sommer vielerorts zum knappen Gut. Werden leere Brunnen und Verbote für Pools und Bewässerungen zum Normalzustand oder gibt es einen Weg aus der Misere?
Burkhard Jung: Mit Blick auf den Rhein oder die Donau befürchte ich, dass das erst der Anfang von dem ist, was auf uns zukommt. Damit müssen wir umgehen. Deswegen unterstütze ich die Forderung, Klimaanpassung in das Grundgesetz aufzunehmen. Das würde aus dem ganzen Thema eine Gemeinschaftsaufgabe von Bund, Ländern und Kommunen machen, für die Geld bereitgestellt werden muss. Derzeit reicht die finanzielle Leistungsfähigkeit der Kommunen nicht, um hier investieren zu können, weil es eine freiwillige Leistung ist. So kann es nicht weitergehen.
Zu den weiteren Themen des Interviews gehörten unter anderem die Finanznot der Kommunen, Reformen in der Pflege, Bevölkerungsschutz und Schutz kritischer Infrastruktur in den Städten, sozialer Wohnungsbau und Wohngeld, Sicherheit in den Städten, Sozialmissbrauch und Steuerbetrug.
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