Access-Keys:

A A A

27.12.2012

"Good-Practice"-Katalog zur Kinderbetreuung

"Innovative Lösungen erweitern Platzangebote – Bund und Länder bleiben in der Verantwortung" – Lücken bis Sommer nicht komplett zu schließen

Sieben Monate vor Inkrafttreten des Rechtsanspruches auf einen Betreuungsplatz für unter Dreijährige zieht der Deutsche Städtetag eine positive Bilanz über den bisherigen Ausbau und sieht die Kommunen auf einem guten Weg, den meisten Kindern, für die Plätze nachgefragt werden, die Betreuung zu sichern. Trotz aller Anstrengungen wird es allerdings nach Einschätzung des kommunalen Spitzenverbandes nicht überall gelingen, den Rechtsanspruch bereits ab dem 1. August 2013 vollständig zu garantieren. Um kurzfristig möglichst viele und flexible Angebote bereitstellen zu können, gibt es in den Städten kreative Ideen und Konzepte. Ein Kompendium in Form eines "Good-Practice-Kataloges" hat der Deutsche Städtetag dazu heute veröffentlicht.

Der Präsident des Deutschen Städtetages, der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude, erklärte kurz vor dem Jahreswechsel: "Die Leistungen der Städte für den Ausbau der Betreuung können sich sehen lassen, am Einsatz der Kommunen fehlt es wahrlich nicht. Seit 2006 hat sich die Anzahl der betreuten Kinder in Kindertagesstätten und in der Tagespflege fast verdoppelt und stieg bis März 2012 um mehr als 270.000 auf rund 558.000. Inzwischen sind wir schon wieder ein Stück weiter und setzen unsere Anstrengungen mit ganzer Kraft im Jahr 2013 fort. Denn wir wollen so vielen Eltern ein Betreuungsangebot machen wie irgend möglich. Dabei bitten wir schon jetzt um Verständnis, wenn das Angebot nicht immer in der ‚Wunsch-Kita’ um die Ecke oder bei der Tagesmutter in der Nachbarschaft möglich sein wird."

Allerdings könne der Rechtsanspruch nicht überall mit der von Bund und Ländern zugrunde gelegten durchschnittlichen Versorgungsquote von 35 Prozent und auch nicht mit den inzwischen angenommenen 39 Prozent erfüllt werden. Ude: "Vor allem in vielen großen Städten suchen zwischen 40 und 50 Prozent, zum Teil sogar über 60 Prozent der Eltern Betreuung für ihre Kinder unter drei Jahren. Deshalb werden im August 2013 die Betreuungslücken noch nicht flächendeckend geschlossen sein, sondern wird der Ausbau weitergehen."

Als Gründe dafür, dass der Rechtsanspruch nicht überall fristgerecht verwirklicht werden kann, nannte der Städtetagspräsident neben dem hohen Bedarf in großen Städten die zum Teil erst spät geflossenen Finanzmittel der Länder, mittlerweile fehlende geeignete Grundstücke für Kita-Neubauten und fehlende Fachkräfte. "Bund und Länder haben den Rechts­anspruch erfunden und beschlossen. Deshalb bleiben sie in der Verantwortung und müssen sie auch gemeinsam mit den Kommunen Lösungen für eine Übergangszeit suchen, bis der Betreuungsbedarf voll gedeckt ist", so Ude. Vor allem die Länder müssten in den nächsten Monaten mehr gegen den Mangel an Erzieherinnen und Erziehern unter­nehmen, also die Ausbildung von Fachkräften beschleunigen und Quereinstiege aus anderen Berufsgruppen erleichtern.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Dr. Stephan Articus, sagte, um möglichst vielen Eltern Betreuung für ihre unter dreijährigen Kinder anbieten zu können, erarbeiteten viele Städte schnelle, flexible und kreative Lösungen sowie Ideen für eine Übergangszeit. "Die Städte arbeiten mit Hochdruck am weiteren Ausbau der Betreuungsangebote. Dabei entwickeln sie auch pragmatische, innovative Lösungen, die kurzfristig realisierbar sind und Eltern und Kindern gerecht werden", so Articus.

Beispiele für Lösungen aus der Praxis, die in dem Kompendium des Deutschen Städtetages genannt sind, könnten auch anderen Kommunen bei ihren Ausbaubemühungen helfen. Dazu zähle etwa eine flexible Betreuung zu eher unüblichen Zeiten, die sich viele Eltern wegen flexibler Arbeitszeiten wünschen. Hier werden unterschiedlichste Kombinationen erprobt. Ein besonderes Augenmerk bei der Auswahl der Beispiele für das Kompendium legte der Deutsche Städtetag auf den Bereich der Kindertagespflege, weil dort kurzfristige Lösungen etwas schneller realisierbar sind.

Einige Beispiele der Maßnahmen im Kompendium sind:

  • Erweiterung und Optimierung von Kindertagespflege-Angeboten durch Netzwerkarbeit, Zusammenarbeit mit Kindertagesstätten und Platzsharing. Damit kann die Qualität und Verlässlichkeit der Kindertagespflege verbessert werden, Außenflächen können gemeinsam genutzt und vorhandene Betreuungsplätze ökonomischer verteilt werden, wenn ein Betreuungsbedarf nur an wenigen Tagen pro Woche oder an wenigen Stunden pro Tag besteht. So kann die Zahl der betreuten Kinder erhöht werden.
  • Zusammenarbeit mit Arbeitgebern, z.B. durch die Einrichtung von Betriebs-Kitas oder die Beratung von kleinen und mittleren Unternehmen bei der Schaffung passgenauer Betreuungsangebote in standortnahen Einrichtungen oder Tagespflegestellen.
  • Gewinnung und Qualifizierung von Fachkräften für die Kindertagespflege. Über neue Vergütungssysteme im Bereich Kindertagespflege, über Kooperationen und Netz-werkbildung und über Festanstellungsmodelle für Kindertagespflegepersonen lässt sich die Kindertagespflege deutlich aufwerten und mehr Personal gewinnen. Kindertages­pflegepersonen können beispielsweise bei Kommunen, Betrieben oder einem freien Träger fest angestellt sein. Das ermöglicht eine langfristige Bindung und Planung sowie den Aufbau verlässlicher Netzwerke.
  • Etablierung von so genannten "Investorenmodellen", bei denen ein privater Investor auf einem privaten Grundstück eine Kindertagestätte baut, die von einem freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe betrieben wird. Von der Stadt wird dafür eine Fläche bzw. ein Objekt benannt, für das dann eine Flächen- und Bedarfsanalyse für den Bau einer Kindertageseinrichtung durchgeführt wird. Von allen beteiligten Ämtern wird die grundsätzliche Genehmigungsfähigkeit innerhalb von 6 bis 8 Wochen kostenfrei für den Investor geprüft.

Das Kompendium mit Beispielen zum Ausbau der Kinderbetreuung finden Sie unter http://www.staedtetag.de/fachinformationen/kinder/062901/index.html.

Schwerpunkte

  • Aufnahme von Flüchtlingen und Asylbewerbern Mehr
  • Kommunale Finanzlage und föderale Finanzbeziehungen Mehr
  • Verkehrsinfrastruktur Mehr

Aachen Aalen Amberg Annaberg-Buchholz Ansbach Aschaffenburg Auerbach/Vogtland Augsburg Bad Kreuznach Bad Reichenhall Baden-Baden Bamberg Bautzen Bayreuth Berlin Biberach an der Riß Bielefeld Bocholt Bochum Bonn Bottrop Brandenburg an der Havel Braunschweig Bremen Bremerhaven Castrop-Rauxel Celle Chemnitz Coburg Cottbus Darmstadt Delitzsch Delmenhorst Dessau-Roßlau Dortmund Dresden Duisburg Düren Düsseldorf Eisenach Eisenhüttenstadt Emden Erfurt Erkner Erlangen Essen Esslingen am Neckar Falkensee Filderstadt Finsterwalde Flensburg Forst (Lausitz) Frankenthal (Pfalz) Frankfurt (Oder) Frankfurt am Main Freiberg Freiburg im Breisgau Friedrichshafen Fulda Fürth Gelsenkirchen Gera Gießen Gladbeck Glauchau Goslar Gotha Greifswald Gräfelfing Göttingen Hagen Halle (Saale) Hamburg Hameln Hamm Hanau Hannover Heidelberg Heidenheim an der Brenz Heilbronn Hennigsdorf Herford Herne Hildesheim Hof Hohen Neuendorf Hoyerswerda Ingolstadt Iserlohn Jena Kaiserslautern Kamenz Karlsruhe Kassel Kaufbeuren Kempten (Allgäu) Kiel Koblenz Konstanz Krefeld Köln Landau in der Pfalz Landsberg am Lech Landshut Lauchhammer Leinefelde-Worbis Leipzig Leverkusen Limbach-Oberfrohna Lindau (Bodensee) Ludwigsburg Ludwigshafen am Rhein Lörrach Lübeck Lüneburg Magdeburg Mainz Mannheim Marburg Memmingen Merseburg Mönchengladbach Mühlhausen/Thüringen Mülheim an der Ruhr München Münster Neu-Ulm Neubrandenburg Neuenhagen bei Berlin Neumünster Neuruppin Neuss Neustadt am Rübenberge Neustadt an der Weinstraße Neustadt bei Coburg Neuwied Nordhausen Nürnberg Nürtingen Oberhausen Offenbach am Main Offenburg Oldenburg Osnabrück Passau Pforzheim Pirmasens Pirna Plauen Potsdam Quedlinburg Recklinghausen Regensburg Remscheid Reutlingen Riesa Rosenheim Rostock Saarbrücken Salzgitter Sassnitz Schwabach Schwedt/Oder Schweinfurt Schwerin Schwäbisch Gmünd Siegen Sindelfingen Solingen Speyer Stendal Straubing Stuttgart Suhl Taucha Teltow Teterow Traunstein Trier Tübingen Ulm Velten Viersen Villingen-Schwenningen Völklingen Weiden in der Oberpfalz Weimar Wiesbaden Wilhelmshaven Wismar Witten Wittenberg Wolfenbüttel Wolfsburg Wolgast Worms Wuppertal Würzburg Zweibrücken Zwickau