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Städtetag aktuell 3|2026 16.07.2026

Schulstadt München gegen Geschlechterstereotype, Ungleichheit und Gewalt

Von Gabriele Nuß, Landeshauptstadt München

Noch immer wird unsere Gesellschaft von geschlechterbezogenen Hierarchien, Stereotypen und patriarchalen Strukturen geprägt, die Ungleichheit und Gewalt fördern. Vielen Fortschritten der vergangenen Jahrzehnte stehen alarmierende aktuelle Entwicklungen gegenüber: Rechtsextreme Kräfte nutzen zunehmend mediale Kanäle und Strategien, um Gleichstellung zu untergraben und die Kategorie Geschlecht für ihre Agenda zu vereinnahmen. Mädchen und junge Frauen finden in der Demokratiebildung viel zu wenig Beachtung. Und: Straftaten wie häusliche, sexuelle oder digitale Gewalt gegen Mädchen und Frauen nehmen laut dem aktuellen Bundeslagebild des Bundeskriminalamtes zu.

Deshalb ist kommunales Handeln zu geschlechterbezogener Gleichstellung und Antidiskriminierung in Bildung und Erziehung unverzichtbar. Unsere Gesellschaft muss für alle sicher sein und Frauen und Mädchen Schutz, Entfaltung und gleichberechtigte Beteiligung vollständig ermöglichen. Die Gleichstellungsstelle für Frauen und das Referat für Bildung und Sport der Landeshauptstadt München bündeln ihre Kräfte und gehen dafür gemeinsame Schritte. Drei Schlüsselbeispiele aus den Bereichen Grundsatz, Pädagogik und Gewaltprävention verdeutlichen dies:

Konzept zu geschlechtergerechter Pädagogik

Der Münchner Stadtrat beschloss im März 2023 – basierend auf der Empfehlung seiner Stadtratskommission zur Gleichstellung von Frauen – Geschlechtergerechtigkeit und -gleichstellung in der Münchner Schul- und Ganztagsbildung nachhaltig zu verankern. In Abstimmung mit der Gleichstellungsstelle für Frauen wurde ein umfassendes Konzept für die Arbeit mit Mädchen und Jungen sowie zu Geschlechtervielfalt entwickelt, das für alle Beschäftigten im Bildungsbereich gilt. Es formuliert ein gemeinsames Verständnis, gibt von der Krippenpädagogik bis zum Austritt der Schülerinnen und Schüler aus dem städtischen Bildungssystem qualitätvolle Umsetzungshilfen, behandelt Rahmenbedingungen und rechtliche Grundlagen, beschreibt Handlungsfelder und Qualitätsstandards für geschlechtergerechte Pädagogik, Implementierungs-, Qualifizierungs- und strukturelle Maßnahmen.

 

Mehr zur Gleichstellungsarbeit der Landeshauptstadt München

Konzept: für geschlechtergerechte Pädagogik für junge Menschen im Schulalter in Kindertageseinrichtungen, Schule und Ganztag

Publikation: 
www.staedtetag.de/26305

Ratsbeschluss: 
www.staedtetag.de/26306

Publikation: "War doch nur Spaß – Handbuch zum Umgang mit Grenzverletzungen und Alltagsgewalt gegen Mädchen* in der Schule"
www.staedtetag.de/26307

Politische Bildung für Mädchen und junge Frauen

Auf dieser Basis und einem Stadtratsbeschluss wird derzeit in enger Zusammenarbeit mit der Gleichstellungsstelle für Frauen das Konzept "Demokratiebildung im Referat für Bildung und Sport" aktualisiert und erweitert. In breiter Beteiligung sind bereits Felder erfasst, die es ermöglichen, die Auswirkungen von mädchenspezifischer Ansprache durch undemokratische rechte Propaganda zu erfassen und zu beobachten, sowie die spezifischen Bedarfe und Herausforderungen in der mädchenbezogenen Demokratiebildung zu bearbeiten. Dazu gehören der Aufbau einer Kontaktstelle, ein Monitoring, vielfältige pädagogische Maßnahmen, zielgerichtete Öffentlichkeitsarbeit und der Ausbau von Netzwerken.

Umgang mit Alltagsgewalt und sexueller Gewalt gegen Mädchen und junge Frauen

Die Stadt München ist als Schulträgerin und seitens der Istanbul-Konvention verpflichtet, ihre Schülerinnen zu schützen. Bereits seit 2010 besteht eine Dienstvereinbarung zum sexuellen Selbstbestimmungsrecht mit Verfahrensschritten bei sexuellen Übergriffen und Grenzverletzungen. Außerdem hat die Gleichstellungsstelle für Frauen mit dem Referat für Bildung und Sport mehrere Präventionsprojekte im Rahmen ihres Aktionsplans zur europäischen Charta zur kommunalen Gleichstellung von Frauen und Männern festgelegt:

Dazu gehören das Angebot von Selbstbehauptungskursen sowie entsprechender Trainerinnen-Ausbildung und die Erstellung der bundesweit nachgefragten Praxishilfe 
"War doch nur Spaß – Handbuch zum Umgang mit Grenzverletzungen und Alltagsgewalt gegen Mädchen* in der Schule". Die Broschüre enthält direkt einsetzbare Übungen und Arbeitsblätter zu den Handlungsfeldern geschlechterbezogener Gewaltprävention sowie einen Selbstreflexionsbogen für Lehrkräfte und ist in digitaler und gedruckter Form sowie als Praxisordner für den Unterricht erhältlich. Verteilt wurde sie an alle schulischen und pädagogischen Einrichtungen sowie an alle Mädchen- und Jungenbeauftragten der städtischen Schulen. Zur thematischen Auseinandersetzung und zum Praxistraining werden regelmäßige Lehrkräftefortbildungen angeboten.

Fazit: München bleibt aktiv. Denn: Eine Stadt ist nur dann eine Stadt für Alle, wenn sie geschlechtergerecht ist.

Gabriele Nuß
Stellvertretende Leiterin Gleichstellungsstelle für Frauen der Landeshauptstadt München

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Dieser Text ist erschienen in Städtetag aktuell 3|2026, Schwerpunkt Bildung

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